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PERSÖNLICHKEIT SEIN …

… und anderen ermöglichen, es zu werden

 

Was ist denn überhaupt diese „Persönlichkeit“, von der so dringend die Rede ist? – Aus dem Lateinischen leitet sich  per-sona – unter vielen anderen Erklärungen – als ein Laut (son) ab, der durch (per) uns hindurch hörbar wird. Karlfried von Dürckheim hat sinngemäß formuliert: Durch jeden Menschen tönt hindurch, als was er bestimmt ist.

Was hat aber die Beschäftigung mit Persönlichkeit bzw. Person im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht zu suchen? Müssen wir uns mit derlei Dingen beschäftigen? Ja – findet LETHE – das müssen wir.

Psychologen waren schon immer auf der Suche nach Instrumenten oder wenigstens nach Möglichkeiten, die es ihnen erlauben, Menschen zu kategorisieren bzw. deren Persönlichkeiten zu beschreiben. Ziel dieser Suche ist vielfach, Vorhersagen über das Handeln (Reaktionen und Verhalten) von Menschen in bestimmten Situationen treffen zu können. Zudem sollen Aussagen darüber möglich werden, wie das Leben einzelner Menschen verlaufen wird oder warum es auf die Weise verlaufen ist, wie es verlaufen ist.

In den 80er Jahren schrieb der Bielefelder Psychologe Alois Angleitner (Fisseni 1980), dass sich Persönlichkeit nicht eindeutig definieren lasse. Er musste es wissen, denn er war und ist bis heute an der Erstellung etlicher Tests zur Erfassung von Persönlichkeitsprofilen maßgeblich beteiligt. Die Persönlichkeitspsychologie geht von der Annahme aus, dass sich Individuen unterscheiden, und beschreibt infolgedessen die Unterschiede. Sie geht von interindividuellen Unterschieden aus. Die Entwicklungspsychologie, deren Gebiet wir ebenfalls betreten, geht dagegen davon aus, dass sich Personen (auch in diesem Fall Individuen) zu verschiedenen Phasen ihres Lebens von sich selbst unterscheiden.

Wir haben es folglich mit zwei Entwicklungen zu tun: einerseits mit dem Herausfinden der je eigenen Potentiale, andererseits mit deren unterschiedlichen Entwicklungsstufen. In unserem Instrumentarium „Begabungspotential“ wird ersteres aufgegriffen und zur Findung des möglichen beruflichen Tätigkeitfeldes der Lerner eingesetzt.

Hier zeigen wir einen (unvollständigen) Abriss unterschiedlicher Herangehensweisen und Kategorisierungen. In der Nummerierung liegt keine Wertung oder keine Hierarchie:

  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – J.P. Guilford (1964) in: Fisseni 1980 – ist seine einzigartige Struktur von Wesenszügen (traits). Ein Wesenszug ist jede Art von unterscheidbarem, vergleichsweise überdauerndem Merkmal, in dem sich ein Individuum von anderen abhebt.

Um das Individuum durch die Einzigartigkeit seiner Merkmalsstruktur zu charakterisieren (Persönlichkeit) setzt man Vergleiche voraus, also die Angabe von Aspekten, unter denen sich Individuen ähnlich oder unähnlich sind.

  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – R.B. Cattell (1973) in: Fisseni 1980 – entsteht in Wachstumskurven. Anders als Guilford arbeitet Cattell empirisch, indem er vor allem von einem Satz an 16 Merkmalen (traits) ausgeht. Er führt knapp 20 000 Untersuchungen durch, worin er vier Persönlichkeitsfragebögen entwickelt und verwendet. Hier sind einige seiner Faktoren:
  • Faktor A: Sachorientierung vs. Kontaktorientierung
  • Faktor B: Konkretes vs. Abstraktes Denken
  • Faktor C: Emotionale Störbarkeit vs. Widerstandsfähigkeit
  • Faktor E: Soziale Anpassung vs. Selbstbehauptung
  • Faktor F: Besonnenheit vs. Begeisterungsfähigkeit
  • Faktor G: Flexibilität vs. Pflichtbewusstsein
  • Faktor H: Zurückhaltung vs. Selbstsicherheit
  • Faktor I: Robustheit vs. Sensibilität
  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – H.J. Eysenck (1973) in: Fisseni 1980 – konstituiert sich sowohl aus Traits als Primärfaktoren von Verhaltensgewohnheiten als auch aus Typen als Sekundärfaktoren aus kovariierenden Traits mit biologischer Basis.

Während sich die Persönlichkeitszüge zu Typen kombinieren lassen, werden sie selbst wiederum aus häufig zusammen auftretenden Gewohnheiten gebildet. Da Gewohnheiten Eysenck zufolge Mengen von gemeinsam vorkommenden Verhaltensweisen sind, entsteht ein hierarchisches Persönlichkeitsmodell mit vier Ebenen.

„Persönlichkeit ist die mehr oder weniger stabile und dauerhafte Organisation des Charakters, Temperaments, Intellekts und Körperbaus eines Menschen, die seine einzigartige Anpassung an die Umwelt bestimmt. Der Charakter eines Menschen bezeichnet das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines konativen Verhaltens (des Willens); sein Temperament das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines affektiven Verhaltens (der Emotion oder des Gefühls); sein Intellekt das mehr oder weniger stabile und dauerhafte System seines kognitiven Verhaltens (der Intelligenz); sein Körperbau das mehr oder weniger stabile System seiner physischen Gestalt und neuroendokrinen (hormonalen) Ausstattung.“ (Eysenck, 1970).

Eysenck fasst die Typen als Dimensionen und nicht als diskrete Kategorien auf. Es werden also graduelle Unterschiede zwischen Menschen hinsichtlich dieser Typen angenommen. Die Typen bilden Kontinua, an deren jeweiligen „Enden” (Polen) besonders starke Ausprägungen der Typen zu finden sind. Er nimmt drei Typen der Persönlichkeit an und benennt sie anhand ihrer Pole:

  • Psychotizismus vs. Impulskontrolle
  • Extraversion vs. Introversion
  • Neurotizismus vs. Stabilität
  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – Goldberg (1990) in: John, Robins & Pervin 2008 – ergibt sich aus mindestens 5 Faktoren. Das Modell ist der Versuch, eine Konvergenz verschiedener faktorenanalytisch begründeter Gesamtsysteme zu finden. Die „Big Five“ (Goldberg 1981) sind ein zusammenfassendes Modell aus 5 breiten Persönlichkeitsfaktoren:
  • Extraversion
  • Verträglichkeit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Emotionale Stabilität vs. Neurotizismus
  • Offenheit für Erfahrung
  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – Julian B. Rotter (1994), Script[1] – ist ein sich unter wesentlicher Beteiligung von Lernprozessen bildendes, sich gemäß den Prinzipien des Lernens aufrechterhaltendes und sich unter gezielter Nutzung dieser Prinzipien veränderndes Etwas. Seiner Auffassung nach ist Persönlichkeit ein „Gefüge von Möglichkeiten zur Reaktion in bestimmten sozialen Situationen“. Die Untersuchungseinheit der Persönlichkeitsforschung ist die Interaktion zwischen der Person und ihrer bedeutungshaltigen Umwelt. Im Mittelpunkt steht das gelernte zielgerichtete Verhalten.

Jedes in einer Situation infrage kommende Verhalten besitzt ein bestimmtes Verhaltenspotenzial (VP). Aller Voraussicht nach wird das Verhalten mit dem größten Potential in der Situation auftreten. Das Potential ergibt sich aus der Kombination der beiden Variablen Erwartung und Verstärkungswert.

Erwartungen sind das Resultat von Lernprozessen und können quantifiziert werden. Die Situation wird als ein komplexes Muster von Hinweisreizen gedacht.

Der in diesen Annahmen enthaltene spezifische Erwartungsbegriff wird von Rotter zum Begriff der generalisierten Erwartung, der sich auf funktional zusammengehörige Klassen von Verhaltensweisen, Situationen und Verstärkungsbedingungen (Verstärkung) bezieht, erweitert. Mit zwei generalisierten Erwartungen – der internalen vs. der externalen Kontrolle der Verstärkung und dem zwischenmenschlichen Vertrauen – hat sich Rotter in seinen empirischen Arbeiten sehr beschäftigt.

  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – Roberto Assagioli (2004) – ist als Psyche benannt ein Zusammenspiel verschiedener Teilpersönlichkeiten. Diese Teilpersönlichkeiten werden zusammengefügt, weshalb es gilt, diese zunächst zu erkennen und zu verstehen und anschließend integriert (= bewusst) zu nutzen. Gemäß dem Menschenbild der Psychosynthese macht die bewusste Persönlichkeit nur einen Teil der Gesamtheit des Menschen aus. Im Zentrum des menschlichen Bewussten steht zwar das seiner selbst bewusste Ich oder die Person/Persönlichkeit, aber umfassender oder größer noch als das Bewusste ist das (individuelle) Unbewusste. Das (individuelle) Unbewusste gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Teile:
  • das tiefere Unbewusste
  • das mittlere Unbewusste
  • das höhere Unbewusste

Das Bewusste steht in unmittelbarem Austausch mit dem mittleren Unbewussten. Ein Kontakt zwischen dem Bewussten und dem tieferen Unbewussten oder dem höheren Unbewussten ist prinzipiell möglich, erfolgt jedoch im Alltag nur selten. (Außerhalb der Triade des individuellen Unbewussten liegt als vierte Kategorie das kollektive Unbewusste). Insgesamt: Die Psychosynthese sieht den Menschen als Seele, die eine Persönlichkeit hat, um sich in der Welt zu bewegen und im Leben ausdrücken zu können.

  1. Die Persönlichkeit eines Individuums – Max Wertheimer 1924 – ist die sich aus einzelnen Teilen mit ihren Einzelheiten zu einem Ganzen konfiguriert ergebende Struktur bzw. ein Prozess, bei dem die Gestalt hervortritt. Der Mensch lässt sich als eine Gestalt verstehen, die sich aus Teilgestalten zusammensetzt, die miteinander in einer Wechselwirkung stehen. Auf die Gestalttherapie werden wir noch näher eingehen, sie ist eine tragende Wand unseres Konzeptes.

Soweit die nicht wertende Aufzählung einiger Theorien und Behandlungskonzepte. Zusammenfassend:

Die einzelnen Aspekte einer Persönlichkeit entfalten sich zu von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Zeitpunkten, in unterschiedlich andauernden Zeitspannen und in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

  • Das Verhalten ist ein Teilaspekt der Persönlichkeit. Grundlegende Verhaltensmuster werden in der Kindheit und Jugend vor allem durch das soziale Umfeld (Erstsozialisation) geprägt. Spätere Einflüsse wie der Besuch von Kindergärten und Schule treten hinzu.
  • Erfahrungen, die immer auf der Grundlage der Gesamtheit an den Menschen herangetragen werden, können und werden im weiteren Leben diese ersten Muster beeinflussen, nicht aber völlig überschreiben.
  • Wenn Störungen im Verhalten auftreten, kann dieses im Sinne einer Hinführung zu einem erwünschteren Verhalten korrigiert werden.
  • Das Verhalten spielt sich auf der Grundlage der Begabungen ab. Die Begabungen setzen den Rahmen für das Verhalten.
  • Sie können nicht korrigiert werden, wohl aber vom Individuum in einer bipolaren Bandbreite gelebt werden. Auf dieser Ebene kann etwa der Umgang mit der Begabung (von einem „niederen“ zu einem höher bewussten Umgang mit ihr) entwickelt werden.
  • Die Persönlichkeit, die wir zum größeren Teil aufgrund unserer Begabungen sind, kann anders als das Verhalten als unveränderbar angesehen werden. Wohl aber ist sie entwickelbar.

Lehrer wie Schüler treffen sich in unterschiedlichen Stadien ihrer Persönlichkeitsentwicklung vor ganz unterschiedlichen Hintergründen. DESHALB ist es wichtig, dass sich diejenigen, die auf der Seite des Unterrichtenden stehen, wissen, was sie da tun, welche Verantwortung sie haben. Als Lehrer, die wir unsere Sprache Deutsch in die Welt tragen, müssen wir uns darüber klar sein, wer wir sind – als Individuum und als Teil eines Kollektivs.

aus: LETHE – Deutsch lernen mit Konzept, 2016

[1] http://teresa6114.tripod.com/rotter.html

LESEN UND WELTVERSTEHEN

In einem Artikel* fragt Michael Schikowski: „Warum [also] lesen wir?“ Und antwortet umgehend selbst darauf: „Weil wir im Textverstehen eben auch das Weltverstehen üben. Wer nicht zu lesen lernt, stolpert nicht allein über Texte, sondern auch durch sein Leben. Im Lesenlernen wird unsere Fähigkeit zu deuten nur weiter kultiviert und damit letztlich die Einsicht, dass die Welt mehrdeutig ist. Im Bedeutungsvollen der Texte – der Romane natürlich besonders – steckt die Möglichkeit, die Bedeutung der Welt um uns herum zu erkennen.“

Zwar ist normalerweise vom Bücherlesen oder dem Buchstaben- bzw. Wortlesen die Rede, doch ist es übergeordnetermaßen die Tätigkeit des „Deutens“, die wir meinen, so wie Schikowski es ja auch schreibt. Die Vorgänge des Lesens wie auch des Schauens sind dabei Kanäle, mittels derer wir Informationen, Stimmungen und Gefühle von außen aufnehmen.

Wir lesen in Gesichtern, wir lesen Situationen und Menschen – und dies vor dem Hintergrund unseres Weltwissens und der Informationen, über die wir bereits verfügen.

In meinen Unterricht kommt ein junger Mann, der bis vor 9 Monaten weder auf Deutsch noch in seiner Muttersprache lesen und schreiben konnte. Zum ersten Mal näherte er sich aber nun dem neuen Gebiet auf einer ihm fremden Sprache. Er lernte Silben zu schreiben, von Wörtern, die er nicht verstand. Er lernte auch, diese Wörter laut zu lesen – und zwar anhand der Struktur, die diese Wörter in sich tragen, und die wir als Lehrer ihm vorsprachen, damit er sie nachspräche. Die Bedeutung der Wörter erschloss sich ihm nicht, wenn wir sie ihm nicht beigaben. Das sagt zweierlei: Natürlich ist es möglich, den Klang, den Rhythmus und die Melodie einer Sprache zu lernen (hier eigentlich zu imitieren), ohne zu verstehen, was man da sagt. Und: die Imitation setzt die Fähigkeit voraus, dass man hören und vernehmen kann. Vor dem Deuten steht das Vernehmen-Können. Man kann auch sagen: die Wahrnehmung unterschiedlicher Phänomene, ob es nun Laute sind oder Grapheme, ist eine Voraussetzung des Artikulieren-Könnens.

Mit dem Lesen von geschriebenen Wörtern, Sätzen und Texten verhält es sich so: erst die spezielle Zusammensetzung macht die Bedeutung des Inhaltes aus. Wenn ich willkürlich irgendwelche Wörter zusammenstelle und linear anordne, ergeben sie mitnichten einen sinnvollen Satz. Einzelne – vielleicht sogar – sinnvolle Sätze aus unterschiedlichen Zusammenhängen ergeben keinen sinnvollen Text. Kongruenz ist hier nur ein Stichwort.

Kongruenzen sind jedoch unterschiedlich – von Sprache zu Sprache. Das macht Sprachen aus: sie unterscheiden sich in ihren Strukturen (sind sich nah oder sehr weit voneinander entfernt) und in ihrem Wortschatz. Die Anordnung von Wörtern in einer bestimmten Weise und mit wiedererkennbaren Übereinstimmungen zwischen ihren Elementen (die sich dann als Regeln erweisen) orientiert uns über die Sprache. Dann haben wir einen Standort ausgemacht – wir können auch uns selbst verorten.

Da der junge Mann nicht hier aufgewachsen ist, fiel es ihm ebenfalls – was die Körpersprache anging – schwer, uns Lehrer zu lesen. Eine Information, die das Auge auffängt („da lächelt jemand“) ist nicht zwangsläufig eindeutig zuzuordnen. Dazu braucht es ein Mehr an Wissen und Erfahrung. Das Lesen und Deuten verfeinert sich mit dem Maß der gemachten Erfahrungen und dem Lernen daraus.

Das „Spurenlesen“ mag ein anderes Beispiel sein. Wer gelernt hat, wie sich die Spuren der Tiere unterscheiden, kann alsbald daran gehen, zu lernen, wie sich jedes einzelne Tier unterschiedlich bewegt. Ob es schnell läuft, langsam, ob es verwundet ist, ein junges Tier oder ein älteres Tier ist. Zu lesen heißt nicht zu raten, sondern zu erschließen. 

Je mehr wir bereits gelesen und unser Reservoir an Wissen erweitert und die Informationen darin verknüpft haben, desto besser können wir auch aus dem Fehlenden auf dieses Fehlende schließen. Während wir lesen, stellen wir alsdann Annahmen darüber an, wie wohl der Schluss sein wird. Wir schlussfolgern im Leseprozess.

Unserem jungen Mann fehlt (er hat natürlich ein Erfahrungswissen, das er sich auf anderen Kanälen angeeignet hat) ein Weltwissen, wie wir es uns seit der Grundschule ständig über die Welt beschaffen können, indem wir über Dinge lesen, die mit unserem unmittelbaren Umfeld nicht viel zu tun haben müssen. Wir können über uns selbst hinausgehen.  

Lesen und Deuten heißt nicht, dass alles immer EINE einzige Bedeutung hat. Das Gelesene kann mehrdeutig sein – und Texte (bzw. ihre Verfasser) provozieren dies ja auch bisweilen geradezu. Sie spielen mit der Mehrdeutigkeit und rufen damit unsere Phantasie auf den Plan.

Wer nicht lesen gelernt hat, folglich weder etwas außerhalb seiner selbst erschließen noch schlussfolgern kann und mit der Gefahr (oder Chance) der Mehrdeutigkeit nicht zurecht kommt – erlaubt sich keine Phantasie. An ihm gehen Romane, Erzählungen, Lyrik und noch andere Texte vorbei, aus denen aber wiederum soviel über das Leben und die Welt zu entnehmen sind.

Inzwischen lese ich mit dem Jungen (noch kurze) Texte auf Deutsch. Er hält das Verstehen aus, aber besonders das Nicht-Verstehen. Inzwischen hat er begriffen, dass die Anwendung der Fertigkeit Lesen bedeutet: ich knüpfe Neues an bereits Gelerntes an. Auch klappt es immer besser, wenn wir an Texten einen Perspektivwechsel vornehmen, von Anfängen auf Schlussszenen schließen. Ich finde, er ist mit der neuen Fertigkeit „Lesen“, die noch weiter verfeinert werden muss, gut ausgestattet, nicht weiter nur durch sein Leben zu stolpern. Er muss nicht mehr einfach nur imitieren – er hat Handlungsspielraum  – und Deutungsspielraum gewonnen. Darin liegt eine der großen Freiheiten und Herausforderungen des Lebens.

*Hier gibt es den Artikel.