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DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE…

… oder doch Deutsch als Zweitsprache?

Die Seite titelt zwar mit Deutsch als Fremdsprache, was jedoch nicht heißt, dass wir das weite Feld Deutsch als Zweitsprache außen vor lassen.

Was ist der Unterschied?

In der Öffentlichkeit und im Zusammenhang mit den Migranten wird von DaZ und von DaF gesprochen. Letzteres ist die „klassische“ Lernsituation eines Schülers, der nach seiner erst gelernten Sprache (deren Erwerb – wie zuvor gesehen – etwa mit 8-9 Jahren gemeistert ist), eine zweite Sprache lernt. Deutsch wird als Fremdsprache im Ausland gelehrt, wo sie nicht zwingend zum alltäglichen Gebrauch notwendig ist. In Deutschland wurde mit den ersten Gastarbeitern u.a. in Volkshochschulen und Vereinen ein entsprechendes Angebot etabliert. Es richtete sich hauptsächlich an Erwachsene. Ein DaF-Unterricht hat eine entsprechende Didaktik, die darauf ausgerichtet ist, den Lerner für einen Studien- oder Arbeitsaufenthalt in Deutschland auszubilden.

Von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) spricht man, wenn die deutsche Sprache in einem deutschsprachigen Land erworben wird und zum alltäglichen Gebrauch notwendig ist. Der Erwerb erfolgt dabei weitgehend ungelenkt außerhalb des Unterrichts. Deutsch ist inzwischen die Zweitsprache für in Deutschland lebende Flüchtlinge, Aussiedler, Arbeitsmigranten und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Eine Problematik ergibt sich daraus, dass sich im ungelenkten, oft eben unbewussten Prozess des Erwerbs einer anderen als der im häuslichen Umfeld gesprochenen Sprache, falsche Strukturen einschleichen und etablieren, u.a. gefördert durch die Tatsache, dass sich die Kinder in Gruppen befinden, in denen es mehrere Mischsprachen gibt. (In den 90er Jahren haben sich u.a. J. Rehbein & W. Grießhaber (1996) bereits mit dem Phänomen der doppelten Halbsprachigkeit bei türkischen Kindern beschäftigt.)

Deutsch als Zweitsprache ist weniger ein Unterrichtskonzept für Erwachsene als eines für Kinder und Jugendliche, weshalb auch DaZ bereits in Förderklassen vor der Schule als auch in Grundschulen angeboten wird. Abgesehen davon, dass es Kinder gibt, die hier geboren sind, einen Kindergarten besuchten und sich in den Sprachkompetenzen kaum von altersgleichen Deutschen unterscheiden sowie Kinder mit bereits ausgeprägter Mehrsprachenkompetenz, finden sich in den verschiedenen Vorbereitungsklassen und Regelklassen

  • Kinder, die ohne Zweitsprachkompetenzen neu eingereist sind
  • Kinder, die hier geboren sind, einen Kindergarten besuchten und dennoch nur über geringe Zweitsprachkompetenzen verfügen
  • Kinder, die hier geboren sind, aber keinen Kindergarten besuchten und nur rudimentäre Zweitsprachkompetenzen besitzen
  • Kinder, die hier geboren sind, aber auf Grund familiärer Entscheidungen zwischen Deutschland und dem Heimatland gependelt sind und sich weder in der Erstsprache noch in der Zweitsprache ausreichende Sprachkompetenzen erworben haben.

Die Sprache der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache weist ähnliche Eigenschaften wie die Sprache der zuvor benannten sukzessiv Bilingualen auf. Ihre Lernersprachen enthalten Aspekte der Zielsprache und solche der Ausgangs-/Herkunftssprache, es sind jedoch auch Sprachformen zu beobachten, die weder in der Ausgangs- noch in der Zielsprache vorkommen. Was muss bzw. kann eine Lehrkraft tun? Sie wird den Lernersprachen mit einer offenen und wohlwollenden Haltung begegnen müssen, was in der Praxis heißt: nicht jeder Fehler sollte korrigiert werden (Überkorrektur demotiviert), aber auch nicht jeder Fehler darf toleriert werden. Die Entscheidung zwischen beidem zu treffen, bedarf eines guten Instrumentariums.