DIE PHILOSOPHIE VON LETHE

LETHE – Deutsch lernen mit Konzept ist 2016 als ein Konzept für den systematischen Lese-Schreib-Sprechaufbau in der Sprache Deutsch entstanden. Im Laufe des Jahres 2017 sind neue Aspekte hinzu getreten: die Lernorganisation und das Gedächtnis sind in den Fokus gerückt. LETHE wächst. Doch nach wie vor steht der Lerner, der Mensch, im Mittelpunkt.

Der lange Titel deutet mehrere verschiedene Facetten des Lernens bzw. Lehrens an – kognitive wie persönliche Entwicklung unserer Lerner wie auch der Lehrer sind Teil des Konzepts. Wir als Lehrer wissen, dass wir nicht als fertige Persönlichkeiten geboren werden und dass die Entwicklung der Persönlichkeit störanfällig ist. Und wir gehen davon aus, dass nicht alles in einem Lernprozess sofort gelingt.

LETHEs Absicht in der derzeitigen und sicher noch länger andauernden Situation des Zuzugs vieler der Heimat beraubter Menschen ist ein genaues Hinschauen und Unterscheiden. Unterscheidbarkeit und feststellbare Unterschiede sind menschlich. Wir sind Individuen, wir unterscheiden uns von anderen, und leben und leiden insofern als wir uns im Anderssein erleben. Das macht unsere Persönlichkeit aus.

Mindmap

Zukünftig werden wir Deutsch nicht nur Menschen zeigen, die sich freiwillig und ohne Druck zum Deutschlernen entscheiden, sondern müssen einbeziehen, dass viele der Menschen, die Deutsch lernen MÜSSEN, sich entweder aufgrund von Bildungsferne oder aufgrund innerpsychischer, psychosozialer bzw. persönlichkeitsbedingter Motive sowie Fluchterfahrung in einer besonderen, vielleicht sogar sehr kritischen, Lernsituation befinden. Das bedeutet: als Lehrer haben wir eine neue Verantwortung, die weit über das hinaus geht, was bisweilen in der Praxis umgesetzt wird.  Die kommenden Zeiten sind eine Herausforderung.

Die neue, uns bis jetzt noch nicht ausreichend geläufige Lernsituation – insbesondere im Deutschunterricht – erfordert ein hohes Maß an Motivation und positiver Verstärkung bei kleinsten Erfolgen. Sprachunterricht (aber nicht nur er) muss einen Bezug zum Alltag und der Lebenswelt der Lerner haben, sodass diese von Beginn an einen praktischen Nutzen beim Lernen erleben. Das hatten zwar die Lehrbücher der letzten Jahrzehnte bereits zu berücksichtigen versucht, doch ist ihnen dabei der Mensch als Ganzheit ein wenig aus dem Blickfeld geraten.

LETHEs Ansatz bezieht genau diese Lebenswelt des Schülers, Lerners, des Menschen, seine Biographie, seine Herkunft, seine Entwicklung ein, d.h. wir betrachten gesellschaftliche, wirtschaftliche, physikalische, chemische, biologische, geistige, linguistische usw. Systeme und ihre Eigenschaften als Ganzes. In diesem Holismus wirkt ein System in diesem Ganzen als Wirkzusammenhang. Diesen machen wir in der Lernstruktur unserer Schüler sichtbar.

Abgeschaut haben wir u.a. natürlich von der Gestaltpädagogik, die sich wiederum auf die Gestalttherapie bezieht. Lernen fördern, das den Menschen sich als Selbst in einer Umwelt begreifen lässt. Diese Prozesse von Selbst (Entwicklung) und Umwelt (Beeinflussung, Veränderung) werden als Kontaktprozesse, Fremd- und Selbstunterstützung und Verantwortung bezeichnet.

Gestalt heißt hier, dass jeder Aspekt der Persönlichkeit des Individuums erst im Zusammenhang der gesamten Persönlichkeit in seiner Bedeutung erfasst werden kann. Empfinden, Fühlen, Denken und Handeln des Menschen sind aufeinander bezogene Aspekte von Körper, Geist und Seele. Gestalt nehmen wir aber auch durchaus wörtlich als das Wesen(tliche) der lernenden Menschen, wie sie in ihre Welt gestellt sind.

Lernen braucht Zeit und eine unterstützende Lernumgebung. Dem LETHE-Konzept geht es – unabhängig vom Schulfach oder Wissensgebiet –  darum, die reine Funktionalität zu überwinden und dem Lernermenschen  zu seiner Persönlichkeit zu verhelfen.